Freitag, 14. April 2017

Amsterdam und tolle Menschen!

Ich bin ein großer Fan von YouTube, und letztes Wochenende war in Amsterdam die erste VidCon Europe, eine große Convention für YouTuber und deren Fans, mit Meet & Greets, Diskussionen und einfach der Gelegenheit, viele Freunde zu machen und die Menschen, die man so bewundert, mal in echt zu sehen. Ich habe sehr schnell beschlossen, dort auch hin zu fahren, und dabei die Gelegenheit gehabt, eine der besten Reisen meines Lebens zu machen.

Am Donnerstag bin ich losgefahren, mit dem Zug um sechs Uhr morgens, ganz allein nach Amsterdam. Ich fahre gerne und oft Zug, auch lange Strecken, aber elf Stunden sind dann doch noch mal was anderes als fünf, und es ist auch was anderes wenn man in ein anderes Land fährt. Die Reise verlief auch nicht so ganz ohne Komplikationen: In München hatte mein Zug Verspätung, und so musste ich eine Strecke, die eigentlich 10 Minuten Fußweg sind, in 3 Minuten schaffen... Ich bin noch nie in meinem Leben so schnell gerannt. Ich habe es geschafft, aber saß danach 40 Minuten hinter der Eingangstür vom Zug auf dem Boden und hatte Schmerzen am ganzen Körper. Aber, wenigstens hab ich es geschafft.
Und später an der Grenze gab es noch mal Probleme mit einem Zug, so dass dann ein Ersatzbus für eine Strecke bereitgestellt wurde, und weil der länger gedauert hat, bin ich dann insgesamt eine Stunde später angekommen. Das war aber in Ordnung. :)

Foto am Bahnhof ArnhemFoto am Stuttgarter Hauptbahnhof

 

Foto vom Bahnhof Amsterdam


Um halb sechs Uhr Abends oder so war ich in meinem Hotel (ein ganz billiges, verhältnismäßig, mit einem winzigen Zimmer und Toilette und Dusche nur auf dem Gang). Ich habe die Gegend des Hotels noch etwas erkundet und mir etwas zu Essen gekauft, und bin dann sehr früh schlafen gegangen.
Am nächsten Tag hatte ich nichts vor, außer Amsterdam zu erkunden. Das war echt wunderschön. Ich bin einfach auf eigene Faust und ohne Plan erst mal durch die Stadt gefahren und gegangen, einfach dort ausgestiegen wo es schön aussah, dort hingegangen, wo ich etwas interessantes gesehen hab. Es war unglaublich befreiend, so auf eigene Faust unterwegs zu sein und komplett das tun zu können, was ich in diesem Augenblick gerade am liebsten machen wollte.
Amsterdam ist unglaublich schön. Es war ein kalter, aber sehr sonniger und schöner Tag, und es gab so viele Stellen die einfach atemberaubend waren. Die Kanäle, die durch die ganze Stadt gehen sind ein Traum, die alten, schmalen Häuser mit ihren bunten Fassaden sind wunderschön, und es gibt viele Stellen, an denen man auch mal ganz ruhig sein kann und wo kein Verkehr ist.
Mittags hab ich mich auf den Weg gemacht zu der Dachterrasse eines Museums, von der aus man eine gute Aussicht über die Stadt hatte, und dann bin ich noch Riesenrad gefahren und hab eine Rundfahrt mit einem Boot gemacht. Ich wollte auch gerne ins Anne-Frank-Haus, aber dort war eine unglaublich lange Schlange, so dass ich mir stattdessen nur das Homomonument direkt daneben angesehen habe, was ich auch sehr bewegend fand.
Abends habe ich mich dann mit einer Freundin aus Frankfurt getroffen, wir haben uns zusammen bei der VidCon schon mal registriert, und sind dann noch etwas Essen gegangen.
Ich hab diesen Tag total genossen, weil die Stadt einfach unglaublich ist, und es sich so gut angefühlt hat, sie auf eigene Faust zu erkunden. Ein paar Mal hatte ich einfach Tränen in den Augen, weil ich so dankbar dafür bin, dass ich diese Gelegenheit hatte.








Die nächsten beiden Tage habe ich dann von früh bis spät auf der VidCon verbracht. Das... war wieder unglaublich, auf eine andere Art, aber genauso glücklich. 
Ich habe mich mit zwei Freunden dort verabredet, und wir haben vieles zusammen gemacht. Die beiden sind toll und obwohl ich die jüngere vorher noch nicht so gut kannte, sind wir uns ganz schnell viel näher gekommen, und sie ist echt eine total liebe. 
Die Stimmung auf der Convention war einfach super. Da sind tausende Menschen die das gleiche Interesse haben wie du, alle sind aufgeregt und glücklich, und es ist wunderbar. Wenn man irgendwo gewartet hat, ist man eigentlich immer ins Gespräch mit den Menschen gekommen, die aus allen möglichen Ländern Europas (oder auch aus anderen Ländern) waren. Alle sind total freundlich und offen und herzlich, und diesen Teil von mir selbst, das fangirlen, das ich sonst oft nicht so zeigen kann wie ich es fühle (weil es niemand so richtig versteht), konnte ich dort so richtig schön ausleben, weil alle anderen es auch tun. An einem Moment bin ich einfach durch die Halle gehüpft als ich zur Toilette wollte, weil ich so glücklich war dort zu sein.
Es war auch wahnsinnig toll, die YouTuber die ich so gern mag (und einige die ich nicht so richtig kannte), in echt zu erleben. Es gab viele Diskussionen zu bestimmten Themen auf den beiden Bühnen, wo oft auch Fragen aus dem Publikum gestellt wurden. Es war total interessant, diese ganz eigene Welt YouTube so zu vertiefen und aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Einmal habe ich auch eine Frage gestellt, und dass diese Menschen die ich so toll finde, meine Frage gut finden, das war schon ein tolles Gefühl! :)
Ein paar YouTuber habe ich auch ganz persönlich getroffen, insbesondere Tyler Oakley, von dem ich jetzt seit zwei Jahren so richtig Fan bin, und ihm wohl täglich auf Twitter schreibe. Mittlerweile kennt er mich sogar, und ich wusste, dass er mich erkennen würde ... Aber als ich ihn getroffen habe, hat er sich nicht nur total gefreut mich zu sehen, sondern mir auch noch gesagt, dass er total dankbar ist, jedes Mal wenn er mich in seinen Twitter Mentions sieht, und aksdfmasdkf aaaaah!!! Das bedeutet mir so viel, allein schon dass er mich kennt und so oft auf Twitter meine Tweets liked oder mir sogar schreibt - aber dass er mir dann sagt, dass er dankbar dafür ist, was ich ihm schreibe, das ist etwas ganz besonderes. 







Als VidCon vorbei war, habe ich schon abends total geweint. Diese ganzen Tage, erst in Amsterdam, dann zwei Tage lang auf der Convention, waren wirklich magisch. Ich war noch nie so lange so unglaublich glücklich an einem Stück. Ich kannte Post-Konzert-Depression ja schon, aber das mit der VidCon war noch mal ein ganzes Stück intensiver, wahrscheinlich, weil die starken Glücksgefühle davor so lange angedauert haben. Aber weil ich ja tolle Freunde dort getroffen hab, haben wir uns ganz doll geknuddelt <3

Das ganze Erlebnis war absolut einmalig. Ich werde diese Zeit für immer wertschätzen, weil ich wirklich noch nie so etwas tolles erlebt habe. Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr vielleicht wieder hingehen kann, vielleicht sogar mit meiner Freundin zusammen.
Aber so oder so: Ich bin so unendlich dankbar, dass ich dort sein konnte und diese wunderbaren Erfahrungen gemacht habe. Ich weiß, dass das absolut nicht selbstverständlich war, und könnte nicht glücklicher sein, dass ich die Gelegenheit dazu habe.

Vielleicht bis nächstes Mal, VidCon und Amsterdam. <3

Montag, 13. März 2017

Ich weiß, du willst nur, dass ich nicht in die Hölle komme. (oder: Ach ja, diesen Blog gibt's ja auch noch.)

"Wann hast du dich geoutet?"
"Ach, das war am 23.10.2015, ein warmer Sonntag. Seitdem feier ich jedes Jahr ein Outingfest. Komm doch mal."

Wie schön es wäre, wenn das so einfach ginge...
Geoutet ist man nie vollständig, es ist nie nur ein Gespräch und dann kann man offen und genauso wie ein Hetero-Mensch leben. Jede neue Person ist ein neues Outing. Und manchmal fühlt es sich auch jedesmal wieder wie ein Outing an, über die gleichgeschlechtliche Beziehung zu reden, obwohl die Person das eigentlich schon weiß.

Meine Oma ist ein Beispiel für so eine Person. Sie weiß, dass ich eine Freundin habe. Sie weiß das seit dreieinhalb Jahren und wenn meine Freundin bei mir zuhause ist (was selten vorkommt, weil Fernbeziehung und weil ich zum Studium woanders lebe), spricht sie sie sogar manchmal an (wow!). Aber es wirkt immer so, als ob sie sie nur als "eine Freundin" anstatt "meine Freundin" behandelt, wenn sie gar nicht ausweichen kann, und als ob sie ansonsten immer ausweicht.
Gerade komme ich von einem Verwandtschaftstreffen, mit ihr und ihrem Partner, Tanten, Onkeln, Cousinen und Cousins. Unterhaltungen in dieser Runde laufen dann ungefähr so ab:
Cousine: "Ja, ganz viele meiner Freunde ziehen ja jetzt schon mit ihren Partner zusammen."
Bruder: "Wie lang seid du und Felix gleich noch mal zusammen?"
Cousine: "Das sind dann jetzt... drei Jahre."
Oma: "Laura, du bist jetzt dann..."
Ich, warte gespannt und leicht schockiert ob sie jetzt ECHT fragt wie lange ich mit meiner Freundin zusammen bin...
Oma: "... 22 im April, oder?"
Ich: :/ :( ugh
Und so ist das immer. Oder, noch besser: Mein Bruder, zwei Jahre jünger, hat jetzt seit ein paar Wochen eine Freundin. Er zeigt das Bild rum, Oma will es auch sehen. Wollte sie jemals ein Bild von mir und meiner Freundin sehen? Hat sie jemals nachgefragt nach meiner Beziehung, so wie sie es bei meiner Cousine, meinem Cousin, jetzt auch meinem Bruder macht? Hat sie JEMALS anerkannt, dass ich jetzt in einer VIERjährigen Beziehung bin, dass ich einen Menschen in meinem Leben habe der für mich genau das ist wie die Partner ihrer anderen Enkel? Nein, das hat sie nie.
Und das tut weh.

Ich kann ihr allerdings auch nicht böse sein, weil ich weiß, dass sie das nicht tut um mir weh zu tun. Eher im Gegenteil. Sie ist katholisch, und wahrscheinlich macht sie sich ganz große Sorgen um mich, dass ich in die Hölle kommen werde, weil ich mit einer Frau zusammen bin. Ich weiß dass sie mich liebt, das sehe ich in ganz vielen Dingen die sie für mich tut, das weiß ich. Und... ich verstehe das. Wenn man jemanden liebt, will man, dass der Person nichts schlimmes passiert. Und wenn sie glaubt dass ich in die Hölle kommen werde, und sie nichts dagegen tun kann, dann ist das schwer für sie. Das verstehe ich.
Aber trotzdem fühlt es sich so schrecklich an, wenn meine Beziehung einfach überhaupt nicht anerkannt wird, nur, weil sie mit einer Frau ist.

Leider schaffe ich selbst es auch nicht, von mir aus darauf zu sprechen zu kommen. Es fällt mir sehr schwer, Dinge zu tun von denen ich weiß, dass sie anderen Leuten unangenehm sind. Und deshalb kann ich mit den Menschen in meiner Verwandtschaft, von denen ich weiß dass sie ein Problem damit haben, einfach nicht über meine Beziehung reden, während ich bei den Tanten die nachfragen oder quasi allen anderen Menschen in allen anderen Lebensbereichen überhaupt kein Problem habe, total offen zu sein und meine Beziehung genau so zu behandeln wie sie ist: normal.

Das alles ist noch eine work in progress, und ich bin sicher, dass das einfacher werden wird. Ich muss es halt nur immer und immer wieder versuchen, einfach über meine Beziehung zu reden, auch wenn meine Oma dann vielleicht nur schweigt und nichts sagt und ich nicht weiß was sie denkt. Das ist eben wie bei jedem Outing: Erst versucht man es ganz oft und traut sich nicht, aber jeder Versuch bringt einen ein klitzekleines bisschen weiter, bis man es schließlich doch schafft, eine Gelegenheit zu nutzen.

Es ist halt schwer für mich, für andere eine Belastung zu sein. Aber ich bin es auch leid, dass deshalb diese Leute dann für mich eine Belastung sind. Ich muss mir nehmen was ich brauche, und wenn meine Oma es nicht schafft das in ihren Glauben einzubauen, dann tut es mir sehr Leid, dass sie sich dieses Leid zufügt, aber es ist nicht meine Schuld.
(Und ich wünsche es ihr so sehr, dass sie sieht, dass ich niemandem was böses tue. Ich liebe einfach nur. Für Liebe kommt man in keine Hölle.)