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Freitag, 14. April 2017

Amsterdam und tolle Menschen!

Ich bin ein großer Fan von YouTube, und letztes Wochenende war in Amsterdam die erste VidCon Europe, eine große Convention für YouTuber und deren Fans, mit Meet & Greets, Diskussionen und einfach der Gelegenheit, viele Freunde zu machen und die Menschen, die man so bewundert, mal in echt zu sehen. Ich habe sehr schnell beschlossen, dort auch hin zu fahren, und dabei die Gelegenheit gehabt, eine der besten Reisen meines Lebens zu machen.

Am Donnerstag bin ich losgefahren, mit dem Zug um sechs Uhr morgens, ganz allein nach Amsterdam. Ich fahre gerne und oft Zug, auch lange Strecken, aber elf Stunden sind dann doch noch mal was anderes als fünf, und es ist auch was anderes wenn man in ein anderes Land fährt. Die Reise verlief auch nicht so ganz ohne Komplikationen: In München hatte mein Zug Verspätung, und so musste ich eine Strecke, die eigentlich 10 Minuten Fußweg sind, in 3 Minuten schaffen... Ich bin noch nie in meinem Leben so schnell gerannt. Ich habe es geschafft, aber saß danach 40 Minuten hinter der Eingangstür vom Zug auf dem Boden und hatte Schmerzen am ganzen Körper. Aber, wenigstens hab ich es geschafft.
Und später an der Grenze gab es noch mal Probleme mit einem Zug, so dass dann ein Ersatzbus für eine Strecke bereitgestellt wurde, und weil der länger gedauert hat, bin ich dann insgesamt eine Stunde später angekommen. Das war aber in Ordnung. :)

Foto am Bahnhof ArnhemFoto am Stuttgarter Hauptbahnhof

 

Foto vom Bahnhof Amsterdam


Um halb sechs Uhr Abends oder so war ich in meinem Hotel (ein ganz billiges, verhältnismäßig, mit einem winzigen Zimmer und Toilette und Dusche nur auf dem Gang). Ich habe die Gegend des Hotels noch etwas erkundet und mir etwas zu Essen gekauft, und bin dann sehr früh schlafen gegangen.
Am nächsten Tag hatte ich nichts vor, außer Amsterdam zu erkunden. Das war echt wunderschön. Ich bin einfach auf eigene Faust und ohne Plan erst mal durch die Stadt gefahren und gegangen, einfach dort ausgestiegen wo es schön aussah, dort hingegangen, wo ich etwas interessantes gesehen hab. Es war unglaublich befreiend, so auf eigene Faust unterwegs zu sein und komplett das tun zu können, was ich in diesem Augenblick gerade am liebsten machen wollte.
Amsterdam ist unglaublich schön. Es war ein kalter, aber sehr sonniger und schöner Tag, und es gab so viele Stellen die einfach atemberaubend waren. Die Kanäle, die durch die ganze Stadt gehen sind ein Traum, die alten, schmalen Häuser mit ihren bunten Fassaden sind wunderschön, und es gibt viele Stellen, an denen man auch mal ganz ruhig sein kann und wo kein Verkehr ist.
Mittags hab ich mich auf den Weg gemacht zu der Dachterrasse eines Museums, von der aus man eine gute Aussicht über die Stadt hatte, und dann bin ich noch Riesenrad gefahren und hab eine Rundfahrt mit einem Boot gemacht. Ich wollte auch gerne ins Anne-Frank-Haus, aber dort war eine unglaublich lange Schlange, so dass ich mir stattdessen nur das Homomonument direkt daneben angesehen habe, was ich auch sehr bewegend fand.
Abends habe ich mich dann mit einer Freundin aus Frankfurt getroffen, wir haben uns zusammen bei der VidCon schon mal registriert, und sind dann noch etwas Essen gegangen.
Ich hab diesen Tag total genossen, weil die Stadt einfach unglaublich ist, und es sich so gut angefühlt hat, sie auf eigene Faust zu erkunden. Ein paar Mal hatte ich einfach Tränen in den Augen, weil ich so dankbar dafür bin, dass ich diese Gelegenheit hatte.








Die nächsten beiden Tage habe ich dann von früh bis spät auf der VidCon verbracht. Das... war wieder unglaublich, auf eine andere Art, aber genauso glücklich. 
Ich habe mich mit zwei Freunden dort verabredet, und wir haben vieles zusammen gemacht. Die beiden sind toll und obwohl ich die jüngere vorher noch nicht so gut kannte, sind wir uns ganz schnell viel näher gekommen, und sie ist echt eine total liebe. 
Die Stimmung auf der Convention war einfach super. Da sind tausende Menschen die das gleiche Interesse haben wie du, alle sind aufgeregt und glücklich, und es ist wunderbar. Wenn man irgendwo gewartet hat, ist man eigentlich immer ins Gespräch mit den Menschen gekommen, die aus allen möglichen Ländern Europas (oder auch aus anderen Ländern) waren. Alle sind total freundlich und offen und herzlich, und diesen Teil von mir selbst, das fangirlen, das ich sonst oft nicht so zeigen kann wie ich es fühle (weil es niemand so richtig versteht), konnte ich dort so richtig schön ausleben, weil alle anderen es auch tun. An einem Moment bin ich einfach durch die Halle gehüpft als ich zur Toilette wollte, weil ich so glücklich war dort zu sein.
Es war auch wahnsinnig toll, die YouTuber die ich so gern mag (und einige die ich nicht so richtig kannte), in echt zu erleben. Es gab viele Diskussionen zu bestimmten Themen auf den beiden Bühnen, wo oft auch Fragen aus dem Publikum gestellt wurden. Es war total interessant, diese ganz eigene Welt YouTube so zu vertiefen und aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Einmal habe ich auch eine Frage gestellt, und dass diese Menschen die ich so toll finde, meine Frage gut finden, das war schon ein tolles Gefühl! :)
Ein paar YouTuber habe ich auch ganz persönlich getroffen, insbesondere Tyler Oakley, von dem ich jetzt seit zwei Jahren so richtig Fan bin, und ihm wohl täglich auf Twitter schreibe. Mittlerweile kennt er mich sogar, und ich wusste, dass er mich erkennen würde ... Aber als ich ihn getroffen habe, hat er sich nicht nur total gefreut mich zu sehen, sondern mir auch noch gesagt, dass er total dankbar ist, jedes Mal wenn er mich in seinen Twitter Mentions sieht, und aksdfmasdkf aaaaah!!! Das bedeutet mir so viel, allein schon dass er mich kennt und so oft auf Twitter meine Tweets liked oder mir sogar schreibt - aber dass er mir dann sagt, dass er dankbar dafür ist, was ich ihm schreibe, das ist etwas ganz besonderes. 







Als VidCon vorbei war, habe ich schon abends total geweint. Diese ganzen Tage, erst in Amsterdam, dann zwei Tage lang auf der Convention, waren wirklich magisch. Ich war noch nie so lange so unglaublich glücklich an einem Stück. Ich kannte Post-Konzert-Depression ja schon, aber das mit der VidCon war noch mal ein ganzes Stück intensiver, wahrscheinlich, weil die starken Glücksgefühle davor so lange angedauert haben. Aber weil ich ja tolle Freunde dort getroffen hab, haben wir uns ganz doll geknuddelt <3

Das ganze Erlebnis war absolut einmalig. Ich werde diese Zeit für immer wertschätzen, weil ich wirklich noch nie so etwas tolles erlebt habe. Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr vielleicht wieder hingehen kann, vielleicht sogar mit meiner Freundin zusammen.
Aber so oder so: Ich bin so unendlich dankbar, dass ich dort sein konnte und diese wunderbaren Erfahrungen gemacht habe. Ich weiß, dass das absolut nicht selbstverständlich war, und könnte nicht glücklicher sein, dass ich die Gelegenheit dazu habe.

Vielleicht bis nächstes Mal, VidCon und Amsterdam. <3

Montag, 13. März 2017

Ich weiß, du willst nur, dass ich nicht in die Hölle komme. (oder: Ach ja, diesen Blog gibt's ja auch noch.)

"Wann hast du dich geoutet?"
"Ach, das war am 23.10.2015, ein warmer Sonntag. Seitdem feier ich jedes Jahr ein Outingfest. Komm doch mal."

Wie schön es wäre, wenn das so einfach ginge...
Geoutet ist man nie vollständig, es ist nie nur ein Gespräch und dann kann man offen und genauso wie ein Hetero-Mensch leben. Jede neue Person ist ein neues Outing. Und manchmal fühlt es sich auch jedesmal wieder wie ein Outing an, über die gleichgeschlechtliche Beziehung zu reden, obwohl die Person das eigentlich schon weiß.

Meine Oma ist ein Beispiel für so eine Person. Sie weiß, dass ich eine Freundin habe. Sie weiß das seit dreieinhalb Jahren und wenn meine Freundin bei mir zuhause ist (was selten vorkommt, weil Fernbeziehung und weil ich zum Studium woanders lebe), spricht sie sie sogar manchmal an (wow!). Aber es wirkt immer so, als ob sie sie nur als "eine Freundin" anstatt "meine Freundin" behandelt, wenn sie gar nicht ausweichen kann, und als ob sie ansonsten immer ausweicht.
Gerade komme ich von einem Verwandtschaftstreffen, mit ihr und ihrem Partner, Tanten, Onkeln, Cousinen und Cousins. Unterhaltungen in dieser Runde laufen dann ungefähr so ab:
Cousine: "Ja, ganz viele meiner Freunde ziehen ja jetzt schon mit ihren Partner zusammen."
Bruder: "Wie lang seid du und Felix gleich noch mal zusammen?"
Cousine: "Das sind dann jetzt... drei Jahre."
Oma: "Laura, du bist jetzt dann..."
Ich, warte gespannt und leicht schockiert ob sie jetzt ECHT fragt wie lange ich mit meiner Freundin zusammen bin...
Oma: "... 22 im April, oder?"
Ich: :/ :( ugh
Und so ist das immer. Oder, noch besser: Mein Bruder, zwei Jahre jünger, hat jetzt seit ein paar Wochen eine Freundin. Er zeigt das Bild rum, Oma will es auch sehen. Wollte sie jemals ein Bild von mir und meiner Freundin sehen? Hat sie jemals nachgefragt nach meiner Beziehung, so wie sie es bei meiner Cousine, meinem Cousin, jetzt auch meinem Bruder macht? Hat sie JEMALS anerkannt, dass ich jetzt in einer VIERjährigen Beziehung bin, dass ich einen Menschen in meinem Leben habe der für mich genau das ist wie die Partner ihrer anderen Enkel? Nein, das hat sie nie.
Und das tut weh.

Ich kann ihr allerdings auch nicht böse sein, weil ich weiß, dass sie das nicht tut um mir weh zu tun. Eher im Gegenteil. Sie ist katholisch, und wahrscheinlich macht sie sich ganz große Sorgen um mich, dass ich in die Hölle kommen werde, weil ich mit einer Frau zusammen bin. Ich weiß dass sie mich liebt, das sehe ich in ganz vielen Dingen die sie für mich tut, das weiß ich. Und... ich verstehe das. Wenn man jemanden liebt, will man, dass der Person nichts schlimmes passiert. Und wenn sie glaubt dass ich in die Hölle kommen werde, und sie nichts dagegen tun kann, dann ist das schwer für sie. Das verstehe ich.
Aber trotzdem fühlt es sich so schrecklich an, wenn meine Beziehung einfach überhaupt nicht anerkannt wird, nur, weil sie mit einer Frau ist.

Leider schaffe ich selbst es auch nicht, von mir aus darauf zu sprechen zu kommen. Es fällt mir sehr schwer, Dinge zu tun von denen ich weiß, dass sie anderen Leuten unangenehm sind. Und deshalb kann ich mit den Menschen in meiner Verwandtschaft, von denen ich weiß dass sie ein Problem damit haben, einfach nicht über meine Beziehung reden, während ich bei den Tanten die nachfragen oder quasi allen anderen Menschen in allen anderen Lebensbereichen überhaupt kein Problem habe, total offen zu sein und meine Beziehung genau so zu behandeln wie sie ist: normal.

Das alles ist noch eine work in progress, und ich bin sicher, dass das einfacher werden wird. Ich muss es halt nur immer und immer wieder versuchen, einfach über meine Beziehung zu reden, auch wenn meine Oma dann vielleicht nur schweigt und nichts sagt und ich nicht weiß was sie denkt. Das ist eben wie bei jedem Outing: Erst versucht man es ganz oft und traut sich nicht, aber jeder Versuch bringt einen ein klitzekleines bisschen weiter, bis man es schließlich doch schafft, eine Gelegenheit zu nutzen.

Es ist halt schwer für mich, für andere eine Belastung zu sein. Aber ich bin es auch leid, dass deshalb diese Leute dann für mich eine Belastung sind. Ich muss mir nehmen was ich brauche, und wenn meine Oma es nicht schafft das in ihren Glauben einzubauen, dann tut es mir sehr Leid, dass sie sich dieses Leid zufügt, aber es ist nicht meine Schuld.
(Und ich wünsche es ihr so sehr, dass sie sieht, dass ich niemandem was böses tue. Ich liebe einfach nur. Für Liebe kommt man in keine Hölle.)

Mittwoch, 15. Juni 2016

Ein tolles Video zum Massaker in Orlando.

Natürlich ist Amerika nicht nur schlecht, und es gibt auch wunderbare Menschen dort, die für die richtigen Dinge kämpfen.

Einer, der mich sehr berührt, ist Tyler Oakley, und er hat dieses tolle Video dazu gemacht, wie er sich gefühlt hat, warum LGBTQ+-Menschen nicht den Mut verlieren sollen, und was man tun kann.


Montag, 25. April 2016

Heimat

Beitrag zum 95. Thema des Blogideekasten: Heimat (Verbundenheit)

Ich bin in einem kleinen Landkreis mitten im tiefsten Niederbayern geboren. Der Ort, wo ich aufgewachsen bin, hat 14 Einwohner. Wir sind drei Höfe, unserer und der meines Onkels mit seiner Familie ist stillgelegt, der dritte wird noch bewirtschaftet.
Egal wohin ich schaue, von zuhause aus sehe ich immer nur Wald und Felder. Und ein paar Kirchturmspitzen vielleicht.
Zuhause habe ich Matschkugeln gerollt, bin durch die Wälder gegangen, auf Bäume geklettert, bin barfuß in Wespen und Hühnerkacke getreten. Ich bin auf Strohballen geklettert und habe tiefsinnige Gedanken gedacht, die man so hat wenn man in der Pubertät ist, ich hab Verstecke gesucht und gefunden und habe mit Freunden alles zu meinem gemacht, was ich zu meinem machen konnte.

Die Städte, in denen ich zur Schule ging, waren klein. Stadtbusse gab es nicht und auch wenn mir damals alles groß vor kam, Stadt eben, war man in nicht einmal einer halben Stunde zu Fuß so ziemlich überall.
Die Stadt war voll und laut und das Kopfsteinpflaster unter meinen Füßen fühlte sich an wie tausend Möglichkeiten.
Im Gegensatz zu anderen wurde mir das alles nicht zu klein. Ich war immer gerne zuhause, in der Natur, wo alles ruhig ist.

Je älter ich wurde, umso öfter besuchte ich große Städte, fuhr ich lange Strecken mit dem Zug. Ich sah, wie klein und gemütlich meine eigene Welt war, und liebte sie von ganzem Herzen. Die größeren Städte waren aufregend und steckten voller verschiedener Wege und ich fühlte mich stark, wenn ich alleine durch die Welt reisen konnte. 

Mit 18 zog ich weg, um an der Uni zu studieren. Die Stadt konnte sich bereits Großstadt nennen (wenn auch gerade so), es gab verschiedene Buslinien die alle paar Minuten oder mindestens einmal in der Stunde fuhren, mindestens drei Supermärkte in unmittelbarer Nähe und einen ICE-Bahnhof. Die Stadtteile waren groß und die Straßenbahn das Symbol für Spontanität.
Meine Wohnung war ganz anders als das große Haus, in dem ich aufgewachsen war, aber eine meiner besten Freundinnen schlief im Zimmer nebenan und in den ersten Wochen fühlte es sich an wie eine Reise und übernachten.

Die Dinge sammelten sich und die Wohnung wurde gemütlich und der Alltag brachte das Gefühl von Sicherheit. Ich fing an "zu Hause" anstatt "in der Wohnung" zu sagen. Der Schlüssel in der Hand und der Ausblick aus dem Fenster fühlten sich nicht mehr ungewohnt an, und ich konnte die Buslinien auswendig.
Verschiedene Ecken der Stadt zu sehen, schrumpfte sie in Gedanken. Auch zu Fuß wurden die Wege kürzer und überschaubarer, die Straßennamen klangen nicht mehr fremd und ich wusste, wo ich welche Dinge kaufen konnte.
Der Unterschied zu den Millionenstädten, die ich manchmal besuchte, wurde langsam klar.

Jetzt ist es zweieinhalb Jahre später und ich wohne immer noch hier, und irgendwann, während der Alltag passierte, und Wochen und Monate und Feste und Prüfungen und Zugfahrten und Besuche, ist es eine zweite Heimat geworden. Den Ausblick auf die Stadt zeige ich mit Stolz, ich kenne Restaurants und schöne Plätze und gute Bäckereien, und Touristen erkläre ich den Weg.
Meine Wohnung ist Geborgenheit und das Holz des Treppengeländers in dem alten Gebäude an der Uni fühlt sich beinahe an wie Liebe und die Sonne im Gesicht mit den Beinen über dem Fluss neben all den anderen Leuten die dort sitzen, ist meins.
Wenn ich nicht hier bin, vermisse ich es.

Und ich vermisse auch den Ort, wo ich aufgewachsen bin und das Haus meiner Eltern ist immer noch zuhause und die Wälder und Wiesen sind wie immer und die kleine Stadt, in der der zweiwagonige Zug hält, ist immer noch meine - vielleicht mehr als je zuvor.
Die Frage danach, woher ich komme, beantworte ich mit Stolz und wenn der Bahnhof in Sicht kommt muss ich lächeln und wenn ich für längere Zeit dort bin, ist alles anders aber doch genauso wie immer.

Heimat ist das, was ich vermisse wenn ich nicht dort bin, und wo ich mich wohl fühle, wenn ich es habe. Heimat ist Stolz und Geborgenheit und Zufriedenheit, Heimat ist meins, Vertrautheit und Glück.
Meine Freundin ist auch Heimat, und meine Freunde sind Heimat. Meine Familie ist Heimat und die Orte, wo ich wohne.
Egal wo ich bin, es wird immer eine Heimat geben, die mir fehlen wird. Eine, die ich schrecklich vermisse und wegen der sich mein Herz verkrampft, weil sie nicht da ist.
Aber egal wie oft ich irgendwohin reise, fast immer ist es an einen Ort (oder zu einem Mensch, oder beides), den ich Heimat nenne. Egal wohin ich fahre, ich weiß dass ich dort ein zuhause habe, und ich weiß, dass ich mich seit langem darauf freue.

Irgendwann werde ich vielleicht von meiner neuen Heimatstadt weg müssen.
Vor einem Jahr dachte ich, ich würde nach dem Bachelor zu Karo ziehen. Bei dem Gedanken daran, dass ich meine neue Heimat zurücklassen müsste, und dass die Heimat in der ich groß geworden bin sooo weit weg sein würde, wurde mir regelmäßig schlecht.
Jetzt werde ich hier bleiben, und weiterhin mit vielen Heimaten und Entfernungen jonglieren, erst mal. Was dann kommt, wer weiß. Vielleicht werde ich an einem neuen Ort eine Heimat finden, vielleicht werde ich eine Heimat zurücklassen und nur in Erinnerungen behalten.

Ich weiß nur, dass ich die Heimaten, die ich jetzt habe, und die Geborgenheit die sie mir schenken, von ganzem Herzen liebe. Und das wahrscheinlich für immer tun werde.

Und jetzt esse ich Pommes.
:)

Montag, 26. Oktober 2015

Und manchmal ist man eben nicht produktiv, aber hat Spaß.

Heute war irgendwie ein wirklich, wirklich lustiger Tag. :)
Begonnen hat es damit, dass ich den Morgen mit YouTube verbracht hab. Eigentlich hätte ich schon ein bisschen was zu tun gehabt, naja und das nötigste hab ich auch gemacht, aber ... es war einfach einer dieser Tage, wo ich NULL motiviert bin, und dann auch wirklich gar nichts klappt. Ich hätte grad einfach gern ne Woche Urlaub, glaub ich.
Gut, jedenfalls YouTube, und mittags kam dann eine Uni-Freundin, die mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen ist, R. Wir mussten an einer Aufgabe, die wir zusammen bearbeiten sollen, noch was ändern.
R. war genauso motiviert wie ich, und so hab ich ihr erst mal noch sehr viele Fotos gezeigt :D Dann haben wir endlich die Aufgabe fertig gemacht. Wir haben uns noch was gekocht, weil wir Hunger hatten, und ich hab ihr Aufnahmen von einem Theaterstück gezeigt, wo ich vor fünf Jahren mitgespielt habe. (Fünf Jahre! :o)
R. und ich sollten dann eigentlich zu einer Lerngruppe, wo wir Übungsaufgaben besprechen und damit Stoff aus dem letzten Semester wiederholen, aaaaaber wir sind bei mir zuhause geblieben, haben bei mir auf dem Bett gelegen und dort zu zweit gearbeitet. Unterbrochen von sehr viel Gelächter und Blödsinn.
Dann sind wir aber doch zur Uni, es war schon vor vier mittlerweile, und wir hatten noch eine Vorlesung. Tja ... wir haben uns wirklich bemüht. Aber diese Vorlesung ist SO LANGWEILIG, der trägt das sooooo monoton und einschläfernd vor, es ist so unfassbar schwierig sich dort zu konzentrieren.
Und so kam es, dass wir Dinge gemacht haben wie uns wahllos Bilder aus unseren Handykameras zu schicken (5 auswählen ohne zu schauen), oder ich sie mit YouTube-Sachen zugespammt hab, obwohl R. sich dafür wirklich nicht interessiert :D Aufgepasst... hab ich wohl eher weniger...
In einer kurzen Pause in der Mitte der Vorlesung ist das hier entstanden:
Daraufhin haben wir uns vor Lachen fast nicht mehr eingekriegt.
Und dann war's endlich vorbei und R. hat mich noch, wie fast immer, nach Hause gefahren, weil sie mit dem Auto direkt an meiner Straße vorbei fährt.

Ich hab zwar schon ein bisschen ein schlechtes Gewissen, dass ich wirklich nur das ALLERnötigste heute gemacht hab, und das auch nicht wirklich gut, aber andererseits ... es war eben einer dieser Tage. Und was stattdessen los war, hat SO gut getan. :)

Oh und Tyler, einer meiner Lieblings-YouTuber, hat heute mal wieder nen Tweet favorisiert, was es auch immer zu einem guten Tag macht ;)
Den Rest werd ich jetzt wieder mit YouTube verbringen und vielleicht noch mit E., meiner Mitbewohnerin, was kochen. Kommt drauf an wann sie nach Hause kommt und ob sie dann noch will.

Okay. Das war's. ;)

Freitag, 9. Oktober 2015

Praktikumsabschiedsschmerz.

Heute war mein letzter Arbeitstag im Praktikum.
Ich studiere Psychologie, und muss dafür 12 Wochen lang Praktikum machen. Die ersten 8 Wochen habe ich bis vor einer Stunde in der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstelle in der Kleinstadt in der Nähe meiner Eltern gemacht.
Das Praktikum war einfach perfekt :) Ich war anfangs sehr nervös, aber wurde total schnell ganz locker aufgenommen und hab mich gleich gut mit allen verstanden. In den letzten Wochen bin ich immer stärker ins Team reingewachsen, war bei fast jedem mal in Gesprächen dabei, hab mich mit allen privat unterhalten. Mit manchen habe ich auch sehr persönliche und tiefe Gespräche geführt. Gerade diese Menschen sind mir in der kurzen Zeit unglaublich ans Herz gewachsen, und ich habe mich immer gefreut sie zu sehen.
Auch die Arbeit war total schön. Ich durfte bei vielen Gesprächen mit Eltern, Kindern oder Jugendlichen dabei sein, wo es echt um alle möglichen Themen ging. Es war total spannend, in so viele verschiedene Leben einen Einblick zu bekommen, und vor allem auch Fortschritte in den Beratungen und Therapien zu sehen. Wenn ich nach den Sitzungen mit den Kollegen darüber geredet hab, war das auch immer total spannend. Oft habe ich auch die Sitzungen noch zusammengefasst.
Ich bin so richtig in die Arbeit reingekommen, hab Abläufe miterlebt, immer mehr von Therapieprozessen verstanden, hab auch selbst mal mit einer Kollegin ein Gespräch geübt. Mir sind Klienten wichtig geworden, deren weitere Geschichte ich jetzt leider nicht mehr mitbekommen kann. Ich habe was darüber gelernt mit welchen Leuten ich gut klarkomme, und mit welchen weniger. Es waren intensive, heftige Gespräche dabei, anstrengende und nervige, lustige und erfrischende.
Ich hab so viel im Praktikum gelernt, was ich hoffentlich lange nicht vergesse, weil ich es später bestimmt mehr brauchen kann als vieles, was ich an der Uni lerne.

Als mir heute Mittag alle im Team gesagt haben, was sie von mir gehalten haben, und ich so viel Lob und Herzlichkeit gehört habe, als ich gehört habe dass man mir Dinge so gut anvertrauen kann, dass ich eine super Psychologin sein werde, dass eine Kollegin mich echt vermissen wird und das bei weitem nicht allen Praktikanten sagen würde, dass man sich gut vorstellen könnte dass ich hier einfach bleibe und weiterarbeite - da war ich schon unglaublich gerührt und bewegt.
Als ich mich gerade vorhin von der letzten Kollegin verabschiedet habe und zur Tür raus bin, kamen mir die Tränen, die ich noch zurückgehalten hab, bis ich im Auto saß.
Ich werd die Leute dort so vermissen. Ich werd die Arbeit vermissen, die Erfahrungen, die Gespräche mit Klienten und Kollegen.
Wenn ich genau jetzt im Moment gefragt werden würde, dann würde ich am liebsten dort einfach arbeiten. Jetzt auf der Stelle. So richtig. Nie wieder weggehen und wie die unglaublich liebe Sekretärin vor ein paar Wochen irgendwann mein 35. Jubiläum feiern. Mitbekommen wie die Kolleginnen über Kinder und Männer reden und weiter Fotobücher von romantischen Paarurlauben zeigen und irgendwann sagen dass sie schwanger sind. Auf Zeltlager mitfahren und bei ausgefallenen Terminen über Sex reden. Fachliche Meinungen über Klienten austauschen und Gespräche führen, gemeinsam und allein.

Aber ich freue mich ja auch darauf, dass ich wieder in meine Uni-Stadt kann, mit meiner besten Freundin zusammenleben, meine Uni-Freunde treffen und deren Leben wieder mitbekommen. Dass ich meinen Bachelor mache und zu meiner Freundin ziehen kann. Dass ich meinen Master mache und noch viel viel mehr lerne. Das ist ja auch alles schön, und alles gut, und ich freu mich drauf.

Aber das Praktikum war eben auch schön. <3